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Insulin spritzen als Diabetes-Behandlung

Wenn Lebensstil-Anpassungen und Diabetesmedikamente in Tablettenform nicht ausreichen, um den Blutzucker stabil zu halten, müssen Diabetes Typ 2-Betroffene Insulin spritzen. Wie Insulin wirkt und wie es gespritzt wird, liest du hier.

Wann muss Insulin gespritzt werden? 

Mindestens 200 Millionen Menschen weltweit sind auf eine Insulintherapie angewiesen, um ihren Diabetes zu behandeln [1]. Menschen, bei denen ein Diabetes Typ 1 diagnostiziert wurde, müssen immer Insulin spritzen, weil ihr Körper kaum bis kein Insulin herstellt. Beim Diabetes Typ 2 kommt es darauf an, wie viel Insulin die Bauchspeicheldrüse noch produziert.

Wird die Diagnose „Diabetes Typ 2“ gestellt, muss nicht immer eine medikamentöse Behandlung erfolgen. Durch Lebensstil-Anpassungen ist es oft möglich, den Blutzucker eigenständig zu regulieren. Ist das nicht ausreichend, werden von der diabetologischen Praxis blutzuckersenkende Tabletten verschrieben. Reichen auch Tabletten nicht aus, müssen Diabetes-Betroffene Insulin spritzen.

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Das Ziel aller Therapieformen ist, das Risiko für Folgeerkrankungen zu senken. Das ist wichtig, denn Untersuchungen zeigen, dass ungefähr 21 Prozent aller Todesfälle in Deutschland mit Diabetes und seinen Folgeerkrankungen verbunden sind [2]. Ab welchem Langzeitwert muss man Insulin spritzen? Grundsätzlich gilt: Der Zielwert für den Langzeit-Zuckerwert HbA1c wird von deinem Diabetes-Team festgelegt und liegt häufig zwischen 6,5 und 7,5 Prozent. Wird der Zielwert durch Lebensstil-Anpassung und Diabetes-Tabletten nicht erreicht, wird oft eine Insulintherapie begonnen.

Wie wirkt Insulin?

Der in der Bauchspeicheldrüse gebildete Botenstoff Insulin wirkt blutzuckersenkend. Insulin ist dafür zuständig, dass die Glukose aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen wird. Sie wird dort zur Energiegewinnung genutzt. 

Bei Diabetiker:innen ist dieser Vorgang gestört, sodass es sein kann, dass nur das Spritzen von Insulin hilft. Andernfalls kann die Glukose, die sich im Blut befindet, nicht von den Körperzellen aufgenommen werden – und verbleibt dort. Der Blutzuckerspiegel ist dauerhaft erhöht. Das kann langfristig verschiedene Folgen haben, die sich auf die Gesundheit auswirken. So ist beispielsweise das Risiko für Gefäßschäden und einen Herzinfarkt erhöht. Auch ist es wahrscheinlicher, dass es zu einem Schlaganfall kommt. 

➚ Hier erfährst du mehr über Insulin

Wie häufig muss ich Insulin spritzen? 

Dein:e Diabetolog:in legt ausgehend von deinen Blutzuckerwerten, aber auch deiner Lebenssituation die Therapieform fest.

Konventionellen Insulintherapie

Bei der sogenannten konventionellen Insulintherapie (CT) ist es üblich, dass Menschen mit Diabetes sich zweimal pro Tag zu festgelegten Zeiten eine festgelegte Menge an Insulin spritzen. Diese Therapieform ist einfach in der Handhabung und kommt öfter zum Einsatz, wenn Pflegepersonal oder Angehörige die Insulingaben übernehmen. Wichtig ist hier ein regelmäßiger Tagesrhythmus mit über den Tag verteilten Mahlzeiten.

Intensivierte Insulintherapie

Eine weitere Behandlungsform ist als intensivierte Insulintherapie (ICT, auch Basis-Bolus-Therapie) bekannt. In der Regel wird diese Form der Therapie bevorzugt, da sie an den natürlichen Stoffwechsel anpassbar ist und somit bedarfsorientiert eingestellt werden kann. Eine intensivere Schulung ist für die Patient:innen notwendig. Bei dieser Insulintherapie spritzt du dir vor jeder Mahlzeit ein kurzwirksames Insulin.

Ein bis zweimal täglich kommt zusätzlich ein langwirksames Insulin (Basalinsulin) zum Einsatz, das zu Tagesbeginn und/oder am Abend verabreicht wird. Durch die ICT ist eine bessere Blutzuckereinstellung im Vergleich zur CT möglich. Außerdem kann sie Patient:innen besser unterstützen, wenn diese einen aktiven Lebensstil haben, bei Veränderungen im Tagesrhythmus und unregelmäßigen Mahlzeiten. [4]

Gut zu wissen: Es wird zwischen kurzwirksamem, mittelwirksamem und langwirksamem Insulin unterschieden. Sie unterscheiden sich in ihrem Wirkeintritt und in ihrer Wirkdauer.

Wie spritze ich Insulin richtig?

Insulin wird mithilfe eines Insulin-Pens gespritzt. Damit es seine Wirkung wie gewünscht entfaltet, muss auf die richtige Spritztechnik geachtet werden. Es gibt spezielle Schulungen von deinem Diabetes-Team, die erklären, wie ein Insulin-Pen verwendet wird. Zu Beginn benötigt es oft Überwindung, sich das Insulin selbst zu spritzen. Sobald du darin jedoch geübt bist, wird es einfacher. 

Insulin-Spritzstellen:

1. Bauch

2. Gesäß

3. Oberschenkel

4. Oberarm 

An die genannten Insulin-Spritzstellen sollte das Insulin injiziert werden. Das ist wichtig, weil das Insulin immer ins Unterfetthautgewebe gespritzt werden muss – nicht in die Haut und auch nicht in das Muskelgewebe. Über kleine Blutgefäße gelangt das Insulin in deinen Blutkreislauf. Wechsle die Spritzstelle bei jeder Injektion, damit sich die Haut erholen kann.

Falls Patient:innen den Pen nicht in das Unterfetthautgewebe spritzen, sondern in die Muskeln, verursacht das oft Schmerzen. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Körper wegen einer zu schnellen Wirkung plötzlich unterzuckert. Wenn du den Pen hingegen nur an der Haut ansetzt, wirkt das Insulin möglicherweise zu langsam und erreicht den Blutkreislauf nicht wie gewünscht. Achte deshalb immer auf eine korrekte Anwendung des Insulin-Pens.

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Insulin spritzen Anleitung

Schritt 1: Reinige deine Hände gründlich. Wasche sie mit Wasser und Seife. Auch die Injektionsstelle soll frei von Keimen sein, damit diese nicht in den Blutkreislauf gelangen. 

Schritt 2: Prüfe bei wiederverwendbaren Pens, ob die Insulinpatrone noch ausreichend Insulin enthält. Setze ansonsten eine neue ein. Bei Pens zur Einmalanwendung prüfe ebenfalls, ob noch ausreichend Insulin enthalten ist. Die Lösung musst du durch mehrmaliges Schwenken gut durchmischen, sofern es sich um Misch- und NHP-Insulin handelt. Bitte beachte die genauen Anweisungen deines Diabetes-Teams, bzw. die Angaben des jeweiligen Herstellers. 

Schritt 3: Schraube eine neue Kanüle auf den Pen. Nimm die äußere und innere Schutzkappe ab, hebe die äußere Schutzkappe auf. Damit kannst du deine Kanüle später richtig entsorgen.

Schritt 4: Kontrolliere die Funktion des Pens und der Kanüle. Stelle dazu 1-2 Einheiten an der Dosiervorrichtung des Pens ein. Halte ihn mit der Kanüle nach oben und drücke den Dosierknopf komplett durch. Tritt aus der Kanüle Insulin aus? Wenn ja, funktioniert alles und du kannst mit Schritt 5 weitermachen. Wenn nicht, wiederhole Schritt 4.

Schritt 5: Stelle die gewünschten Einheiten an der Dosiervorrichtung des Pens ein.

Schritt 6: Je nachdem, wie es mit deinem Diabetes-Team besprochen ist, hebe eine Hautfalte mit deinem Daumen und Zeigefinger an. Es kann sein, dass dieser Schritt entfällt, da viele Kanülen so kurz sind, dass kein Risiko besteht, Insulin aus Versehen in den Muskel zu spritzen.

Schritt 7: Stich die Kanüle senkrecht und zügig in die Haut. Drücke den Dosierknopf mit deinem Daumen langsam und gleichmäßig bis zum Anschlag herunter. Warte 10 Sekunden, bevor du die Kanüle gerade aus der Haut herausziehst. Lasse ggf. die Hautfalte los.

Schritt 8: Entferne die Kanüle, indem du die äußere Schutzkappe auf die Kanüle aufsetzt und diese dann mithilfe der Schutzkappe abdrehst. Entsorge die Kanüle in einem bruchsicheren Behälter. [3]

Alternativen zum Spritzen

Eine Alternative zum Insulin-Pen stellt die Insulin-Pumpe dar. Hierbei handelt es sich um ein elektronisches Gerät, das Menschen mit Diabetes immer am Körper tragen. Die Versorgung mit Insulin findet automatisch über die Pumpe statt, nachdem das Gerät programmiert wurde. Sinnvoll ist diese Lösung vor allem dann, wenn jemand Probleme mit der Therapie mit Insulin-Pens hat und es herausfordernd ist, den Diabetes richtig einzustellen. Weitere Lösungen, die als Alternative zum Pen dienen könnten, werden bisher erprobt oder noch entwickelt.

Insulin spritzen und Nebenwirkungen

Damit das Insulinspritzen gut vertragen wird, ist es wichtig, dass Diabetiker:innen sich immer an die richtige Dosierung und Durchführung halten. Manchmal kommt es zu Nebenwirkungen, wenn die Dosis nicht stimmt oder die Kanüle an der falschen Stelle einsticht. Zu den wohl häufigsten Nebenwirkungen zählt deshalb die Unterzuckerung, die auftritt, wenn das Insulin zu schnell in den Körper gelangt – etwa über das Muskelgewebe. 

Falls du noch andere Medikamente einnimmst, ist es außerdem wichtig, dies immer ärztlich abzusprechen. Denn durch die Einnahme von speziellen Medikamenten ist es möglich, dass dein Insulinbedarf insgesamt niedriger oder auch höher ausfällt.

Quellen

[1] Nkonge, Ken M., Nkonge, Dennis K., Nkonge, Teresa N. (2023). Insulin Therapy for the Management of Diabetes Mellitus: A Narrative Review of Innovative Treatment Strategies. https://doi.org/10.1007/s13300-023-01468-4

[2] Kulzer, Bernhard (2022). Körperliche und psychische Folgeerkrankungen bei Diabetes mellitus. https://doi.org/10.1007/s00103-022-03517-y 

[3] Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V.: Leitfaden zur Injektion bei Diabetes mellitus. 2. Auflage. 2016

[4] Bundesärztekammer et al.: Nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes. Teilpublikation der Langfassung. 2. Auflage. Version 1. 2021

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