Start » Magazin »

Depression und Diabetes

Nachdenkliche Frau

Auswirkungen von Diabetes auf die Psyche

Chronische Erkrankungen wie Diabetes werden oft als belastend und kräftezehrend empfunden. Die Erkrankung und Veränderungen im Lebensstil können Ängste, Hoffnungslosigkeit und Stress auslösen. Daraus resultiert eine Überforderung, die aus eigener Kraft nicht mehr zu bewältigen scheint. Hinzu kommen alltägliche Belastungen, wie Stress bei der Arbeit oder familiäre Konflikte. Die individuelle Belastungsgrenze kann dabei überschritten werden und das Risiko, eine psychische Erkrankung zu entwickeln, steigt. Eine mögliche Folge: Depression. 

Gut zu wissen: Personen mit Diabetes sind ca. doppelt so häufig von Depressionen betroffen wie Menschen mit einem gesunden Stoffwechsel. 

Eine Depression kann also eine Reaktion auf die Belastungen und Einschränkungen durch eine chronische Erkrankung wie Diabetes sein. Gedanken, das alles nicht zu schaffen und Gefühle wie Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit oder Angst sind mögliche Anzeichen für eine depressive Erkrankung. 

Wie äußert sich eine Depression?

Bei einer Depression verändert sich, wie wir denken, fühlen und handeln. Auch körperliche Veränderungen kommen oft vor. Welche Symptome auftreten, ist individuell. In einer Psychotherapie erarbeiten Patient:in und Therapeut:in gemeinsam, wie sich die Depression äußert.  

Mögliche Anzeichen einer Depression: 
Gedanken“Ich schaffe das nicht”, “Ich bin ein:e Versager:in”, “Mir wird das alles zu viel”, “Das hat doch ohnehin alles keinen Sinn”, “Nichts kann ich mehr.”
Außerdem:Grübeln, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Suizidgedanken
GefühleTraurigkeit, innere Leere, Schuldgefühle, Angst, Hoffnungslosigkeit, Fehlen von Freude und Interesse
KörpererlebenMüdigkeit, Erschöpfung, fehlender Antrieb, innere Unruhe, Reizbarkeit, Weinen, Schlafstörungen, Appetitverlust, Gewichtsverlust, fehlendes sexuelles Verlangen
VerhaltenRückzug, keine Freunde mehr treffen, Aktivitäten aufgeben, sich nichts mehr zutrauen, keine Entscheidungen mehr treffen, im Bett bleiben, nicht mehr aufstehen, Alltagspflichten vernachlässigen, Suizidhandlungen

Was ist zuerst da? Diabetes oder Depression? 

Beides ist möglich. Diabetes und Depressionen stehen in einem engen Zusammenhang zueinander. Nicht nur der Diabetes hat Auswirkungen auf die Stimmung. Umgekehrt können die oben beschriebenen depressiven Symptome wie Antriebslosigkeit, sozialer Rückzug, Interessenverlust und Schlafstörungen zu einem ungünstigeren Verlauf des Diabetes führen oder diesen sogar auslösen.

Sie erschweren die Umsetzung der notwendigen Veränderungen im Ernährungs- und Bewegungsverhalten und sind mit einem weniger aktiven Diabetes-Selbstmanagement (z. B. regelmäßige Arztbesuche) verbunden. Menschen mit einer Depression fehlt häufig der Antrieb, sich ausreichend zu bewegen und gesund zu ernähren. Darunter leidet der Stoffwechsel. Vor allem zu hohe Blutzuckerwerte sind häufig die Folge. Das Risiko für Folgeerkrankungen und gesundheitliche Risiken steigt. Ein Teufelskreis entsteht: 

Worauf muss man achten?

Um den Diabetes erfolgreich zu behandeln, ist es wichtig, den Teufelskreis zu durchbrechen. Deshalb sollten sowohl an Depression als auch an Diabetes Erkrankte die jeweils andere Diagnose im Hinterkopf haben. Werden Anzeichen einer Depression beobachtet, sollte eine fachliche Absicherung der Diagnose erfolgen.

Sowohl der Diabetes als auch die Depression sollten in diesem Fall behandelt werden. Die Behandlung der Depression wirkt sich positiv auf den Diabetes auf. Wenn der Antrieb und die Motivation zur Lebensstilveränderung steigen, profitiert nämlich auch die diabetische Stoffwechsellage.

Professionelle Unterstützung im Falle einer Depression 

Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung haben Anspruch auf ambulante psychotherapeutische Behandlung. Durchführen dürfen diese ärztliche und psychologische Psychotherapeut:innen. Um mit der Krankenkasse abrechnen zu können, müssen diese einen Kassensitz haben. Einer Psychotherapie geht immer die sogenannte psychotherapeutische Sprechstunde voraus. In dieser prüft der oder die Psychotherapeut:in, ob eine psychische Erkrankung vorliegt und vergibt eine Diagnose. Patient:innen erhalten zudem weitere Informationen zu den Therapieverfahren und eine Behandlungsempfehlung. 

So findet man einen Therapieplatz

Die erste Anlaufstelle sind die Hausärzt:innen. Diese führen im Regelfall keine Psychotherapie durch, geben jedoch eine erste Einschätzung und schließen mögliche körperliche Ursachen der depressiven Symptome aus. 

Einen Termin für die psychotherapeutische Sprechstunde vermittelt die bundesweite Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung innerhalb von vier Wochen (unter der Telefonnummer 116 117, montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr). Da keine Überweisung nötig ist, kann man sich auch direkt an psychotherapeutische Praxen wenden.

Nach der Sprechstunde gilt es einen Therapieplatz zu finden. Unterstützung in Form von Suchmaschinen bieten z. B.

Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung
https://www.dptv.de/psychotherapie/psychotherapeutensuche/

Bundespsychotherapeutenkammer
https://www.bptk.de//service/therapeutensuche/

Kassenärztliche Bundesvereinigung 
https://www.kbv.de/html/arztsuche.php

Eine weitere Möglichkeit ist, sich bei Ausbildungsinstituten für Psychotherapie, psychotherapeutischen Ambulanzen von Kliniken oder Hochschulen (Universitäten/Universitätskliniken) um einen Therapieplatz zu bemühen. Hier bieten Psycholog:innen und Ärzt:innen in fortgeschrittener Ausbildung zum Psychotherapeuten die Behandlungen an.

Oft ist ein Therapieplatz in der näheren Umgebung nicht sofort verfügbar. Um Wartezeiten zu überbrücken, können Betroffene Angebote von psychosozialen Beratungsstellen wahrnehmen. Zudem gibt es für manche psychische Erkrankungen – u. a. für Depression – Digitale Gesundheitsanwendungen, die Ärzt:innen verschreiben können. Für weitere Informationen wende dich bitte an deine:n ambulante:n Ärzt:in.