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Diabetes und Impotenz

Diabetes gilt als eine der häufigsten Ursachen für eine erektile Dysfunktion bzw. Impotenz. Doch wie hängen Diabetes und Erektionsstörungen zusammen und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Warum beeinflusst Diabetes die Potenz?

Wird im Alltag von Impotenz gesprochen, ist meist die erektile Dysfunktion gemeint. Diabetes ist ein Risikofaktor für die Entstehung von Erektionsstörungen. Bei einer erektilen Dysfunktion kann über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten der Penis eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion nicht erreichen oder aufrechterhalten. In den meisten Fällen leiden Betroffene demnach nicht an mangelndem sexuellen Interesse, sondern unter der körperlich nicht entstehenden Erektion. Die dadurch bedingten psychischen Belastungen können eine erektile Dysfunktion verschlimmern. 

Aufgrund der späteren Diagnose und damit höheren Blutzuckerwerten über einen längeren Zeitraum, finden sich Erektionsstörungen häufiger bei Typ-2-Diabetes als bei Typ-1-Diabetes [2, 3]. Die erektile Dysfunktion kann sowohl psychische (z. B. Ängste, Stress) als auch körperliche Ursachen (z. B. Diabetes, Arteriosklerose) haben. Auch einige Medikamente können als Nebenwirkung zu Erektionsstörungen führen. 

Grundsätzlich müssen für die Entstehung einer Erektion zwei Faktoren erfüllt sein: eine ausreichende Blutzufuhr zum Penis und eine korrekte Funktion der Nerven. Diabetes hat auf beide Faktoren einen Einfluss:

1. Unzureichende Blutzufuhr

Neben einem hohen Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und Nikotinabhängigkeit erhöht auch Diabetes das Risiko für verengte Arterien. Auch die Gefäßwände der Penisarterien verändern sich, wodurch die Blutzufuhr zum Penis verringert ist und eine Erektionsstörung verursacht wird. 

2. Nervenschädigungen 

Erhöhte Blutzuckerwerte können langfristig zu Nervenschädigungen führen [4]. Unter anderem sind auch die Nerven betroffen, die ohne willentliche Kontrolle Körperfunktionen wie die Erektion steuern. Die Wahrnehmung sexueller Stimulation sowie die Weiterleitung der Signale für eine Erektion sind gestört. Diese Schädigung der Nerven gehört zur Gruppe der sogenannten diabetischen Neuropathien. Darunter werden Nervenschäden an verschiedenen Organsystemen des Körpers zusammengefasst [4].

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Prävention von Impotenz bei Diabetes

Priorität hat daher die Früherkennung eines Diabetes mellitus und die sofortige Stabilisierung der Blutzuckerwerte auf einem gesunden Niveau. Ein gesunder Lebensstil ist die Basis, um einem Diabetes mellitus vorzubeugen und zu behandeln. Dazu gehören [5]: 

  • Eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Nikotinverzicht
  • Reduktion oder Verzicht von Alkohol
  • Eine ausgewogene Ernährung
  • Regelmäßige Bewegung 

Ab der Erstdiagnose Diabetes sollte umso mehr auf diese Lebensstilveränderungen geachtet werden, um Nerven und Blutgefäße zu schützen und einer erektilen Dysfunktion vorzubeugen [5]. Eine bereits bestehende erektile Dysfunktion durch Diabetes ist nicht heilbar, weswegen die Früherkennung und die Behandlung der Ursache (Diabetes) eine der wichtigsten Maßnahmen darstellen. 

Behandlung Impotenz bei Diabetes

Bei einer bestehenden Erektionsstörung durch Diabetes können neben den Veränderungen im Lebensstil folgende Optionen helfen: 

Medikamentöse Behandlung

In den letzten Jahren konnten durch die Entwicklung neuer, effektiver Medikamente beeindruckende Erfolge in der Behandlung erektiler Dysfunktionen erzielt werden und sind daher Therapie der Wahl. Als besonders wirksam zeigten sich die sogenannten Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer) [5]. Sie erhöhen den Blutfluss zum Penis und fördern eine Erektion. Diese Potenzmittel sind jedoch verschreibungspflichtig. Eine ausführliche Beratung und Aufklärung durch deine Ärzt:innen sollte unbedingt erfolgen. 

Lokale Pharmakotherapie

Hierbei handelt es sich um eine lokale Anwendung des Medikaments über die Harnröhre (MUSE = Medical Urethral System for Erection) oder durch Selbstinjektion des Patienten (SKAT = Schwellkörperautoinjektionstherapie). Da diese Verfahren schwierig zu handhaben sind, werden sie nur gewählt, wenn die orale medikamentöse Therapie unwirksam oder aufgrund von Nebenwirkungen nicht durchführbar ist [5]. 

Lokale Hilfsmittel 

Sogenannte Erektionshilfen wie Vakuumpumpen oder operative Eingriffe wie die Schwellkörperimplantate ergänzen die therapeutischen Möglichkeiten, werden aber nur selten eingesetzt. Zur Verbesserung der Gliedsteife kann regelmäßige Beckenbodengymnastik durchgeführt werden. Dadurch wird auch die Ansprechbarkeit auf orale Medikamente verbessert [5]. 

Psychiatrisch-psychologische Therapie

Eine erektile Dysfunktion kann zu psychischen Belastungen und Paarkonflikten führen. Dadurch kann eine bereits bestehende Erektionsstörung verschlimmert werden. Diese Herausforderungen können häufig durch entlastende oder beratende Gespräche – optimalerweise mit einem Sexualtherapeuten oder einer Sexualtherapeutin – erfolgreich verringert werden [5].

Unterscheidung: Impotenz und erektile Dysfunktion

Sexualität ist nach wie vor ein sensibles Thema. Vor allem, wenn es mit dem Liebesleben nicht mehr so funktioniert, wie gewünscht. Im Internet führen unterschiedlichste Begriffe zu weiterer Verunsicherung. Vor allem Impotenz wird häufig als Synonym für die erektile Dysfunktion verwendet. Wo genau ist nun der Unterschied? 

Der Begriff Impotenz ist eine veraltete Bezeichnung für alle Störungen, die mit einer eingeschränkten Zeugungsfähigkeit einhergehen. Dazu gehören beim Mann die erektile Dysfunktion, die Unfähigkeit zu einem Samenerguss und die Zeugungsunfähigkeit. Bei der Frau wurde zusätzlich das Unvermögen schwanger zu werden und eine Schwangerschaft auszutragen unterschieden. Die erektile Dysfunktion ist also eine spezifische Erkrankung, mit der Unfähigkeit, eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten, wohingegen unter Impotenz mehrere Erkrankungen zusammengefasst werden. 

Zusammenfassung

Primäres Ziel bei der Therapie der erektilen Dysfunktion durch Diabetes stellt zusammenfassend die Behandlung bzw. Vorbeugung der Ursache dar. Zunächst sollten also unbedingt die beschriebenen Lebensstiländerungen umgesetzt werden, um den Blutzucker zu senken und Nerven- und Blutgefäßschäden vorzubeugen bzw. zu stoppen. Im Anschluss kann eine symptomatische medikamentöse Therapie erfolgen. 

Solltest du unter den Symptomen einer erektilen Dysfunktion leiden, lasse dich unbedingt von deinem Arzt oder deiner Ärztin über die Ursachen und therapeutischen Möglichkeiten aufklären. 

Quellen

[1] Dilling, H. et al. (2010).  ICD-10 Internationale Klassifikation psychischer Störungen. 10., überarbeitete Auflage, Bern: Hogrefe

[2] Kızılay, F., Gali, H. E. & Şerefoğlu, E. C. (2017). Diabetes and sexuality. Sexual Medicine Reviews, 5(1), 45–51. https://doi.org/10.1016/j.sxmr.2016.07.002

[3] Kouidrat, Y., Pizzol, D., Cosco, T. D., Thompson, T., Carnaghi, M., Bertoldo, A., Solmi, M., Stubbs, B. & Veronese, N. (2017). High prevalence of Erectile dysfunction in Diabetes: A systematic review and meta-analysis of 145 studies. Diabetic Medicine, 34(9), 1185–1192. https://doi.org/10.1111/dme.13403

[4] Ziegler, D. et al. Diabetische Neuropathie (2022). Diabetologie und Stoffwechsel [Internet].;17(S 02):S339–53. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1055/a-1916-2156

[5] Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) (2018). S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion“ Langversion. AWMF-Register Nr. 030-112.


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