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Diabetischer Fuß – Wunden als Folge der Zuckerkrankheit

An einem diabetischen Fuß können Wunden entstehen, die nur schlecht heilen. Diese Komplikation des Diabetes lässt sich durch Symptome an Beinen und Füßen frühzeitig erkennen. Erfahre hier, welche Maßnahmen du zur Vorbeugung ergreifen kannst.
Ärztin untersucht und verbindet einen Fuß

Was ist ein diabetischer Fuß?

Bei einem Diabetes mellitus kommt es zu erhöhten Blutzuckerwerten. Unbehandelt führen sie zu Schädigungen von Nerven und Gefäßen, wodurch sich weitere Folgeerkrankungen entwickeln. Eine Diabetes-Folge ist der diabetische Fuß, der auch als diabetisches Fußsyndrom bezeichnet wird. Kennzeichnend für einen Diabetes-Fuß sind Druckstellen, Verletzungen oder kleine Risse, die nicht bemerkt werden. Sie entwickeln sich zu chronischen Wunden, die nur schlecht heilen. [1]

Wird der diabetische Fuß zu spät behandelt, kann das eine Amputation von Zehen oder des gesamten Fußes nach sich ziehen. Der Anteil der Diabetiker:innen, die im Laufe der Erkrankung einen diabetischen Fuß entwickeln, ist relativ hoch und beträgt bis zu 30 Prozent. [1]

Diabetisches Fußsyndrom – Ursachen und Entstehung

Die Ursache für das diabetische Fußsyndrom ist ein erhöhter oder stark schwankender Blutzuckerspiegel. Nervenenden in der Haut, die Berührung, Schmerz oder Temperatur wahrnehmen, können durch hohe Blutzuckerwerte geschädigt werden. Auch Gefäßschädigungen und die Unterbrechung der Blutzirkulation sind Folgen eines unbehandelten oder schlecht einstellbaren Diabetes. 

Diabetiker:innen müssen ihren Füßen besondere Beachtung schenken. Oft registrieren sie Druck oder Schmerz an den Füßen schlechter. Verletzungen, Hautrisse, Fehlstellungen sowie Druckbelastungen oder Reibung durch nicht optimal angepasstes Schuhwerk werden häufig zu spät bemerkt. Entstandene Wunden heilen schlecht. Durch die verminderte Durchblutung sind die Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen unterversorgt. Außerdem werden anfallende Stoffwechselprodukte nicht mehr abtransportiert. Sie sammeln sich an und können zur Gewebeschädigung beitragen. [2]

Neben den Nerven- und Gefäßschäden durch den hohen Blutzucker gibt es weitere Risikofaktoren, die eine Entstehung eines diabetischen Fußes fördern: [2]

  • Übergewicht
  • Fußfehlstellungen
  • Alkoholkonsum und Nikotinsucht
  • Bluthochdruck
  • hohes Cholesterin
  • vernachlässigte Fuß- und Hautpflege
  • Schuhwerk mit schlechter Passform oder Barfußgehen
  • eingeschränkte Bewegungsfähigkeit
  • verminderte Sehfähigkeit

Woran erkenne ich einen Diabetes-Fuß?

Um einen Diabetes-Fuß rechtzeitig zu erkennen, solltest du deine Füße täglich genau untersuchen. Schon bevor Wunden auftreten, weisen bestimmte Veränderungen auf die Entwicklung eines diabetischen Fußsyndroms hin. Ein diabetischer Fuß im Frühstadium zeigt sich zum Beispiel durch eine unelastische oder trockene Haut. Der Fuß kann blass aussehen und sich kalt anfühlen. Auch plötzliche Schwellungen an den Füßen oder Muskelschmerzen nach kurzen Gehphasen gelten als Anzeichen für den Diabetes-Fuß. [2, 3]

Treten Wunden auf, sind diese häufig an den Zehen, den Fußballen oder an den Fersen. Durch eine vermehrte Hornhautbildung und die Hauttrockenheit bei Diabetes entstehen beispielsweise Risse, die sich leicht infizieren und unbehandelt zu größeren Wunden werden können. Nicht nur äußere Einflüsse, auch Knochenfehlstellungen können Wunden provozieren. Gerötete oder gelblich verfärbte Stellen an den Füßen können auf eine beginnende Gewebeschädigung hindeuten. Da sich bei Diabetiker-Füßen die Wunden schnell in die Tiefe ausbreiten, solltest du bei jeder Auffälligkeit deine Ärzt:innen aufsuchen und die Symptome abklären lassen. [2, 3]

Unterschiede ischämischer und neuropathischer Diabetiker-Fuß

Klinische Anzeichen

Anhand der vorliegenden Symptome lässt sich oft eine Unterscheidung zwischen einem ischämischen und einem neuropathischen Diabetiker-Fuß treffen. Bei einer Ischämie (verminderte oder fehlende Durchblutung) aufgrund verengter Blutgefäße fühlen sich die Füße kühl an oder die Haut erscheint leicht bläulich. Ein Puls ist nur schwer zu ertasten. Krämpfe während des Laufens oder Fuß- und Beinschmerzen in Ruhephasen können ebenfalls auf Störungen der Durchblutung hindeuten. [3]

Bei der Neuropathie ist der Fuß noch gut durchblutet. Die Gefahr besteht jedoch in der Nicht-Wahrnehmung von Druck oder Schmerz. Schwielen, Hornhaut oder Blutergüsse bilden sich unbemerkt. Im nächsten Stadium entwickeln sich Wunden oder Geschwüre, die schwer heilen und sich oft bakteriell infizieren. [3]

Wundklassifikation bei Diabetiker-Füßen

Wagner-Armstrong-Schema

Um den Schweregrad des diabetischen Fußsyndroms zu beurteilen, gibt es verschiedene Klassifikationen. Bei der Einteilung nach Wagner und Armstrong wird die Wunde mit einem Grad (Wagner 0 bis 5) und einem Stadium (Armstrong A bis D) versehen: [3, 4]

Grad-StadiumStadium AStadium BStadium CStadium D
Grad 0Risiko, noch keine WundeinfiziertMinder-durchblutunginfiziert und ischämisch
Grad 1Wunde oberflächlich
Grad 2offene Wunde, bis Sehne/Kapsel
Grad 3tiefe Wunde, bis Knochen/Gelenk
Grad 4Nekrosen (Gewebetod) an Teilen des Fußes
Grad 5gesamter Fuß nekrotisch

Wie wird ein diabetischer Fuß diagnostiziert?

Für die Diagnose eines diabetischen Fußes schilderst du deinen Ärzt:innen zunächst die Art und Häufigkeit deiner Beschwerden. Deine Füße werden auf äußere Auffälligkeiten untersucht. Danach führen die Mediziner:innen Tests auf Reflex- oder Empfindungsstörungen durch, ermitteln die Hauttemperatur und fühlen, ob ein Puls tastbar ist. 

Weiterführende Untersuchungen sind zum Beispiel Blutdruckmessungen, Ultraschall oder Angiografie, um Durchblutungsstörungen oder Gefäßblockaden zu erkennen. Eine Messung der Druckbelastung beim Gehen oder Stehen kann auf eine Fehlbelastung hinweisen. Sind Wunden am Fuß vorhanden, kann die Wunde mithilfe eines Wundabstrichs auf bakterielle Infektionen getestet werden. Ist eine Diabetes-Erkrankung bei dir bekannt, gehören Kontrolluntersuchungen auf das diabetische Fußsyndrom zum Vorsorgeprogramm. Bei Typ-1-Diabetiker:innen sollten die regelmäßigen Kontrollen spätestens fünf Jahre nach der Diabetesdiagnose beginnen oder wenn Beschwerden auftreten. Bei Typ-2-Diabetiker:innen werden einmal im Jahr Kontrolluntersuchungen empfohlen. [2, 3]

Behandlung des diabetischen Fußsyndroms

Die Basis für die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms ist eine optimale Einstellung des Blutzuckers. Damit senkst du das Risiko für die Entstehung oder die Verschlimmerung von Folgeerkrankungen. Durchblutungsstörungen lassen sich medikamentös oder operativ behandeln. Neuropathien sind selten reversibel, daher sind eine frühzeitige Erkennung und das Reduzieren von Risikofaktoren die wichtigsten Maßnahmen. Häufig verordnen Mediziner:innen die medizinische Fußpflege, um das Risiko für Fußschäden zu minimieren. Wunden an den Füßen müssen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.

Bei fortgeschrittenen Stadien des diabetischen Fußes kann eine operative Entfernung von nekrotischem Gewebe nötig sein. Die beschriebene Abfolge der Behandlung richtet sich nach den entsprechenden Leitlinien. Schon bei einem möglichen Risiko für einen Diabetes-Fuß werden deine Ärzt:innen dir empfehlen, gut angepasstes und gepolstertes Schuhwerk zu tragen, um Druckbelastungen zu vermeiden und Wunden vorzubeugen. [5]

Diabetischen Fuß vorbeugen

Ein diabetischer Fuß ist eine gefährliche Folge der Diabetes-Erkrankung. Mit vorbeugenden Maßnahmen wirkst du der Entstehung entgegen. Dabei spielen sowohl die Kontrolle des Diabetes als auch eine gezielte Unterstützung der Füße eine Rolle. Diese Liste zeigt Tipps zur Verhinderung des diabetischen Fußsyndroms: [6]

  • regelmäßige Blutzuckerkontrollen
  • ärztliche Kontroll- und Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen
  • Druckbelastungen der Füße senken (Socken, Einlagen, orthopädisches Schuhwerk)
  • Übergewicht reduzieren
  • auf eine gute Fußhygiene achten
  • Hauttrockenheit mit pflegenden Cremes bekämpfen
  • Füße täglich auf Wunden untersuchen
  • Fußnägel feilen statt schneiden
  • medizinische Fußpflege nutzen
  • auf Nikotin und Alkohol verzichten