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Diabetes und Rauchen

Raucher:innen leben gefährlich – das wissen die meisten. Doch Rauchen steht auch im Zusammenhang mit Diabetes. Inwiefern? Das erklären wir hier. 
Mann zündet sich eine Zigarette an

Erhöht Rauchen den Blutzucker?

Ja, und zwar über mehrere Wege! Denn Rauchen – sowohl aktiv als auch passiv – wirkt sich negativ auf unseren Insulinhaushalt aus [1,2]. Insulin ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Es sorgt dafür, dass der Zucker aus unserem Blut in die Zellen transportiert wird. Diese wandeln ihn dann in Energie um.

Beim Rauchen nehmen wir durch den Tabak u. a. Nikotin auf. Nikotin ist ein Nervengift, das in der Natur die Fressfeinde der Tabakpflanze vertreiben soll. Im Körper schädigt es die Bauchspeicheldrüse, genauer gesagt die sogenannten Betazellen. Diese produzieren in der Folge weniger Insulin [1,3]. Es ist also weniger Insulin vorhanden, das für den Transport des Zuckers aus dem Blut in die Zellen sorgen kann. Der Blutzuckerspiegel steigt.

Außerdem sinkt durch den Tabak die Empfindlichkeit der Insulinrezeptoren, die den Transport des Zuckers in die Zelle ermöglichen. Grund dafür sind durch Inhaltsstoffe des Tabaks ausgelöste entzündliche Prozesse in den Zellen [1,3]. Mehr Insulin wird benötigt, um die gleiche Menge Zucker in die Zellen zu befördern. Bei gleicher Insulinmenge gelangt weniger Zucker in die Zellen und mehr Zucker verbleibt im Blut.

Diabetes durch Rauchen

Wenn auf Dauer zu viel Zucker im Blut ist und die genetischen Voraussetzungen gegeben sind, entwickelt sich ein Prädiabetes – die Vorstufe von Diabetes Typ 2. Da Betroffene zunächst keine Symptome wie vermehrtes Wasserlassen oder gesteigerten Durst haben, wissen sie oft nicht, dass sie sich auf dem Weg dahin befinden, an Diabetes zu erkranken. Rauchen beschleunigt diese Entwicklung. Selbst wenn bereits ein Diabetes Typ 2 vorliegt, bleibt dies oft unbemerkt. Die Dunkelziffer der an Diabetes erkrankten Menschen wird in Deutschland auf rund zwei Millionen geschätzt [4].

Neben dem oben beschriebenen negativen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel geht Rauchen mit einer ungünstigen Verteilung des Körperfetts einher. Auch wenn wir Rauchen mit einem niedrigeren Körpergewicht assoziieren: Raucher:innen neigen zu Bauchfett [1,3]. Bauchfett ist in der Bauchhöhle eingelagertes Fett, das die inneren Organe, hauptsächlich das Verdauungssystem, umhüllt. Es ist mit einem höheren Risiko, an Diabetes zu erkranken, verbunden [3].

Studien zeigen, dass Rauchen das Risiko Diabetes zu entwickeln um ca. 30-50% erhöht [2,5]. Auch das “Dampfen” von E-Zigaretten ist kein Ausweg. Obgleich es noch weiterer Forschung bedarf: “Dampfen” kann den Blutzuckerspiegel [6] und die Wahrscheinlichkeit an Prädiabetes zu erkranken erhöhen [7].

Risiken: Wenn Diabetiker:innen rauchen

Wer unter Diabetes Typ 1 oder Typ 2 leidet, sollte nicht rauchen. Diabetes ist eine Stoffwechselkrankheit, die durch einen erhöhten Blutzuckerwert gekennzeichnet ist. Ein Ziel der Diabetesbehandlung ist es, diesen Wert in den Normalbereich zu bringen und dort zu halten [8]. 

Dabei hilft eine Veränderung des Lebensstils hin zu einer ausgewogenen Ernährung mit ballaststoffreicher und zuckerarmer Kost, regelmäßiger Bewegung, wenig Stress, ausreichend Schlaf und möglichst wenig Alkohol. Rauchen hingegen hat die gegenteilige Wirkung: Der Blutzuckerspiegel steigt, der Diabetes verschlimmert sich und die Behandlung wird erschwert.

Wer unter Diabetes Typ 1 oder einem fortgeschrittenen Typ 2 leidet, muss zusätzlich mit Insulin behandelt werden. Da Rauchen einen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel hat, muss dies bei der Einstellung ggf. beachtet werden. Es ist wichtig, mit den behandelnden Diabetolog:innen über die eigenen Rauchgewohnheiten zu sprechen, um die richtige Insulinmenge und Überwachung festzulegen.

Folgeerkrankungen durch Diabetes und Rauchen

Nicht ausreichend behandelt, bringt Diabetes Komplikationen und Folgeerkrankungen mit sich. Ein wichtiger Faktor dabei: Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die Blutgefäße. In der Folge können die Organe nicht mehr ausreichend versorgt werden. Langfristig können Schäden an Nerven, Nieren und Augen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen [9]. 

Wer zusätzlich raucht, ist noch gefährdeter. Das liegt u. a. daran, dass auch Bestandteile des Tabakrauchs die Innenwand unserer Blutgefäße beschädigen, die Bildung von Blutgerinnseln fördern und das im Tabak enthaltene Nikotin den Blutdruck erhöht. Auch die Funktion unserer Nieren wird gestört [5]. Das bei Menschen mit Diabetes bereits erhöhte Risiko für einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder eine koronare Herzerkrankung steigt durch Rauchen nochmals um rund 50 Prozent [3].

Auch die Wundheilung ist bei Menschen mit Diabetes beeinträchtigt. Häufig sind die Füße betroffen. Wird eine Wunde nicht richtig versorgt, kann ein Fußgeschwür entstehen, was im schlimmsten Fall eine Amputation nach sich zieht [9]. Eine Rolle bei der Entstehung spielen u. a. ein erhöhter Blutzuckerspiegel und ein geschwächtes Immunsystem [10]. Auch hier verschlimmert Rauchen das Problem: Es unterstützt einen hohen Blutzucker und wirkt sich negativ auf das Immunsystem aus [11].

Diabetes und Rauchen verkürzt Lebenserwartung

Diabetes Typ 2 verkürzt die Lebenserwartung um mehrere Jahre. Wer mit ca. 50 Jahren erkrankt, verliert im Durchschnitt 6 Lebensjahre. Je früher die Erkrankung entsteht, desto mehr Lebenszeit geht verloren [12]. Auch fürs Rauchen gilt: Es verkürzt die Lebenserwartung um mehrere Jahre. Dieser Effekt wird größer, je mehr Zigaretten man pro Tag raucht [13]. Wer an Diabetes erkrankt ist und zusätzlich raucht, riskiert demnach deutlich früher zu sterben. 

Doch es gibt Abhilfe: Laut einer Studie auf Basis von Daten des Diabetesregisters in Schweden haben Menschen mit Diabetes nahezu dieselbe Lebenserwartung wie Menschen ohne Diabetes, wenn sie aufs Rauchen verzichten und ihren Blutdruck, ihre Blutfett-, Blutzucker- sowie Nierenwerte im Zielbereich halten [14]. Dabei hilft ein gesunder Lebensstil, zu dem eine ausgewogene Ernährung mit ballaststoffreicher und zuckerarmer Kost, ausreichend Bewegung, ein guter Umgang mit Stress und möglichst wenig Alkohol gehört.

Was kann ich tun?

Die klare Empfehlung lautet: Menschen mit Diabetes sollten mit dem Rauchen aufhören [15]. Da Rauchen leicht körperlich und psychisch abhängig macht, ist dies für viele eine Herausforderung. Doch es gibt Möglichkeiten, dir den Rauchstopp zu erleichtern:

  1. Hol dir fachlichen Rat ein: In deiner Hausarztpraxis oder in einer Suchtberatungsstelle kannst du dich zum Thema Rauchstopp und geeigneten unterstützenden Maßnahmen (z. B. Nikotinpflaster) informieren.
  2. Informiere dich mittels verlässlicher Quellen, z. B. auf www.rauchfrei-info.de, der offiziellen Seite zum Thema Rauchstopp der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
  3. Nutze Gruppenangebote, um gemeinsam das Rauchen aufzuhören, z. B. in einer Suchtberatungsstelle.
  4. Nutze eine Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) oder App. Dort erhältst du unterstützende Informationen, Hilfsmittel und Begleitung im Alltag. Überprüfte Anwendungen findest du im DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
  5. Verändere deinen Lebensstil: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ein gutes Stressmanagement schützen vor Diabetes, verbessern den Verlauf der Erkrankung und verhindern Folgeschäden. Hilfe bei der Umstellung erhältst du z. B. durch diaxilo. So eine Veränderung hilft auch dabei, nach dem Rauchstopp dein Gewicht zu halten oder sogar abzunehmen.
  6. Suche dir Unterstützung in deinem Umfeld. Wer könnte dich motivieren oder sogar gemeinsam mit dir den Rauchstopp wagen?

Auch wenn es im Hier und Jetzt schwer fällt, mit dem Rauchen aufzuhören und den eigenen Lebensstil zu verändern: Mittel- und langfristig lohnt es sich auf jeden Fall. Wer nicht raucht, auf seine Ernährung und Bewegung im Alltag achtet und Stress reduziert, fühlt sich körperlich und psychisch besser und lebt vermutlich länger.

Quellen

1. Maddatu, J., Anderson-Baucum, E., & Evans-Molina, C. (2017). Smoking and the risk of type 2 diabetes. Translational Research, 184, 101–107. https://doi.org/10.1016/j.trsl.2017.02.004

2. Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.). (2008). Rauchen und Passivrauchen verursachen Typ 2 Diabetes.

3. Śliwińska-Mossoń, M., & Milnerowicz, H. (2017). The impact of smoking on the development of diabetes and its complications. Diabetes and Vascular Disease Research, 14(4), 265–276. https://doi.org/10.1177/1479164117701876

4. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe (Hrsg.). (2021). Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2022.

5. National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion (US) Office on Smoking and Health. (2014). The Health Consequences of Smoking—50 Years of Progress: A Report of the Surgeon General. Centers for Disease Control and Prevention (US). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK179276/

6. El.Golli, N., Dkhili, H., Dallagi, Y., Rahali, D., Lasram, M., Bini-Dhouib, I., Lebret, M., Rosa, J.-P., El Fazaa, S., & Asmi, M. A.-E. (2016). Comparison between electronic cigarette refill liquid and nicotine on metabolic parameters in rats. Life Sciences, 146, 131–138. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0024320515301429?via%3Dihub

7. Zhang, Z., Jiao, Z., Blaha, M. J., Osei, A., Sidhaye, V., Ramanathan, M., & Biswal, S. (2022). The Association Between E-Cigarette Use and Prediabetes: Results From the Behavioral Risk Factor Surveillance System, 2016–2018. American Journal of Preventive Medicine, 62(6), 872–877. https://www.ajpmonline.org/article/S0749-3797(22)00024-1/fulltext

8. NVL Typ-2-Diabetes (2023) https://www.leitlinien.de/themen/diabetes/version-3

9. Kulzer, B. (2022). Körperliche und psychische Folgeerkrankungen bei Diabetes mellitus. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 65(4), 503–510. https://doi.org/10.1007/s00103-022-03517-y

10. Xia, N., Morteza, A., Yang, F., Cao, H., & Wang, A. (2019). Review of the role of cigarette smoking in diabetic foot. Journal of Diabetes Investigation, 10(2), 202–215. https://doi.org/10.1111/jdi.12952

11. Bauer-Kemény, C., & Herth, F. J. F. (2022). Rauchen – Noxen und immunologische Folgen. Die Radiologie, 62(9), 731–737. https://doi.org/10.1007/s00117-022-01006-6

12. Kaptoge, S., Seshasai, S., Sun, L., Walker, M., Bolton, T., Spackman, S., Ataklte, F., Willeit, P., Bell, S., Burgess, S., Pennells, L., Altay, S., Assmann, G., Ben-Shlomo, Y., Best, L., Björkelund, C., Blazer, D., Brenner, H., Brunner, E., … Kromhout, D. (2023). Life expectancy associated with different ages at diagnosis of type 2 diabetes in high-income countries: 23 million person-years of observation. The Lancet Diabetes & Endocrinology, 11(10), 731–742. https://doi.org/10.1016/S2213-8587(23)00223-1

13. Li, K., Hüsing, A., & Kaaks, R. (2014). Lifestyle risk factors and residual life expectancy at age 40: A German cohort study. BMC Medicine, 12(1), 59. https://doi.org/10.1186/1741-7015-12-59

14. Rawshani, A., Rawshani, A., Franzén, S., Sattar, N., Eliasson, B., Svensson, A.-M., Zethelius, B., Miftaraj, M., McGuire, D. K., Rosengren, A., & Gudbjörnsdottir, S. (2018). Risk Factors, Mortality, and Cardiovascular Outcomes in Patients with Type 2 Diabetes. New England Journal of Medicine, 379(7), 633–644. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1800256

15. Brath, H., Kaser, S., Tatschl, C., & Fasching, P. (2019). Rauchen, Alkohol und Diabetes mellitus (Update 2019). Wiener klinische Wochenschrift, 131(S1), 67–70. https://doi.org/10.1007/s00508-019-1455-z