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Glukosetoleranztest: Frühzeitig Diabetes erkennen

Ein Glukosetoleranztest wird in der Arztpraxis zur Früherkennung von Diabetes mellitus durchgeführt. Das Testergebnis zeigt, wie gut dein Körper Glukose (Zucker) verarbeiten kann und ob für dich ein Diabetes-Risiko besteht. 

Überblick zum Glukosetoleranztest 

Während des Tests, der auch oraler Glukosetoleranztest (oGTT), „großer Zuckertest“ oder Zuckerbelastungstest genannt wird, trinkst du eine konzentrierte Glukoselösung. Danach wird dein Blutzuckerspiegel in regelmäßigen Abständen gemessen, um zu sehen, wie schnell dein Körper die Glukose abbaut und aus dem Blut entfernt [1]. Ein Kennzeichen der Stoffwechselkrankheit Diabetes ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Der Körper ist nicht mehr in der Lage, das Hormon Insulin in der Bauchspeicheldrüse zu produzieren oder zu verwerten. 

Welche Aufgaben hat Insulin?

Der Körper braucht Insulin, um den durch die Nahrung aufgenommenen Zucker über das Blut in die Körperzellen zu transportieren, damit diese mit Energie versorgt werden. Nur ein ausgeglichener Blutzuckerspiegel ohne gravierende Über- oder Unterzuckerung bewahrt uns vor unangenehmen und gefährlichen Symptomen und Diabetes-Folgekrankheiten, die Blutgefäße, Herz, Augen, Nieren und Nerven schädigen. 

Die Glukosetoleranztest-Werte zeigen den Mediziner:innen, ob du eine gestörte Glukosetoleranz hast. Der Glukosetoleranztest ist der einzige Test zur Diagnose der gestörten Glukosetoleranz. [1]

Ablauf: Glukosetoleranztest in 7 Schritten

 1. Damit der orale Glukosetoleranztest (oGTT) gelingt, müssen Patient:innen acht Stunden lang vorher nüchtern sein und sich in den Tagen davor wie gewohnt ernährt haben.

 2. Der Test wird meist im Liegen oder Sitzen durchgeführt. Die Patient:innen dürfen bis zur letzten Blutabnahme weder essen, noch trinken, noch rauchen.

 3. Das medizinische Personal misst den Nüchternblutzucker der zu untersuchenden Person, um einen Ausgangswert zu erhalten.

 4. Die Patient:innen trinken eine hoch konzentrierte Lösung mit Glukose (75g in 300 ml Wasser).

 5. Der Blutzuckerspiegel wird schon nach einer Stunde und zwei Stunden danach gemessen.

 6. Für die Messung nimmt das medizinische Personal eine Blutprobe um ein exaktes Ergebnis des Blutzuckerspiegel-Werts zu erhalten.

 7. Die Mediziner:innen erklären den Patientinnen das Testergebnis. [1]

Wann wird ein Glukosetoleranztest durchgeführt?

Der Glukosetoleranztest wird bei Diabetolog:innen, in einer Diabetes-Schwerpunktpraxis oder in der Klinik durchgeführt. Er dient einer frühen Diagnose der Zuckerkrankheit Diabetes. Der Zuckertest ist auch bei einer Schwangerschaft wichtig. Für werdende Mütter gehört er zum Routine-Vorsorgeprogramm, denn in der Schwangerschaft kann sich ein Diabetes entwickeln. [2

Neben dem aufwändigen Glukosetoleranztest gibt es auch eine einfachere Kurzvariante. Sie wird „Glukose-Challenge-Test“ (GCT) oder „kleiner Zuckertest“ genannt. Der GCT gilt als Vortest, um das Risiko für Diabetes oder Schwangerschaftsdiabetes festzustellen. Die Patientin, die nicht nüchtern sein muss, trinkt 50 g Glukose, aufgelöst in 200 ml Wasser. Nach einer Stunde wird Blut abgenommen, um den Wert des Blutzuckersspiegels festzustellen. 

Während der Normalbefund bei einem Wert kleiner als 135 mg/dl Glukose liegt, ist die Wahrscheinlichkeit eines Schwangerschaftsdiabetes bei einem Wert im Bereich 135-200 ml/dl Glukose groß. Jetzt wird der große, oben schrittweise beschriebene Zuckertest durchgeführt. Die Grenzwerte des Glukosetoleranztests liegen nach einer Nüchternmessung bei 92 mg/dl, nach einer Stunde gemessen bei 180 mg/dl und nach zwei Stunden bei 153 mg/dl Glukose. Erreicht die Patientin einen dieser drei Werte oder liegt sie darüber, liegt ein Schwangerschaftsdiabetes vor. [8]

Schwangerschaftsdiabetes – was nun?

 Ärzt:innen zählen Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes zu Risikoschwangeren. Fünf von 100 Schwangeren sind davon betroffen, einige benötigen Insulingaben. Die Betroffenen müssen nicht damit rechnen, dass sie nun für immer zuckerkrank bleiben. Bei den meisten Schwangeren normalisieren sich die Blutzuckerwerte nach der Geburt des Kindes wieder. Dennoch steigt das Risiko, in weiteren Schwangerschaften wieder eine Glukosetoleranzstörung zu bekommen. Kinder können später an Diabetes Typ 2 erkranken. Außerdem haben sie ein erhöhtes Risiko an Übergewicht und Diabetes zu erkranken. [2]

Bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes treten im Vergleich zu anderen Schwangeren bestimmte Gesundheitsprobleme häufiger auf. Dazu gehören Blasen-, Nieren- und Scheidenpilz-Infektionen. Ärzt:innen empfehlen den Betroffenen, die Menge an Süßigkeiten, gesättigten Fetten und Weißmehlprodukten zu reduzieren. Ein erhöhter Verzehr von ballaststoffreichen Getreideprodukten, Gemüse und fettarmen Milchprodukten  beeinflusst die Krankheit positiv. [2]

Der Glukosetoleranztest in der Schwangerschaft ist nicht unumstritten. Zumindest gibt es eine Diskussion über die Art und Weise, wie er durchgeführt wird und die Kriterien, die zur Diagnose Diabetes führen. [2]

Prädiabetes – Weckruf zur Veränderung des Lebensstils

Bei einem getesteten Blutzuckerwert von 110-125 mg/dl sprechen die Mediziner:innen von einem Prädiabetes. Er ist eine Vorstufe von Diabetes Typ 2. Erst bei höheren Glukosetoleranztest-Werten ab 126 mg/dl liegt Diabetes mellitus vor. 

Das Tückische an Prädiabetes ist, dass Patient:innen ihn häufig gar nicht oder viel zu spät erkennen – meist erst bei einer medizinischen Routine-Untersuchung. Doch schon dieses Diabetes-Vorstadium erhöht dein Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. [4]

Der Grund dafür, dass du an Prädiabetes leidest, kann an deiner familiären Veranlagung und einem fortgeschrittenen Alter liegen. Das sind Faktoren, auf die du keinen Einfluss hast. Doch zum Glück hast du es selbst in der Hand, dass aus Prädiabetes kein Diabetes wird. Mit einer Veränderung deines Lebensstils hin zu ausgewogener, ballastreicher Kost mit viel Gemüse und Vollkornprodukten und viel Bewegung in deinem Alltag kannst du Diabetes noch verhindern. Wenn du nicht rauchst, nur mäßig Alkohol trinkst und bei Übergewicht abnimmst, beeinflusst auch das deine Gesundheit positiv. Darüber hinaus führen viel Schlaf und Pausen vom stressigen Alltag zu einem gesunden Lebensstil. [3]

Was Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2 bedeutet

Diabetes Typ 2, das sehr viel öfter vorkommt als der Typ 1, beginnt schleichend. Der Blutzuckerspiegel steigt an, weil der Körper Insulin immer schlechter verwerten kann: Die Körperzellen reagieren inzwischen nicht mehr empfindlich auf Insulin. Oder eine jahrelange Insulin-Überproduktion hat dazu geführt, dass die Insulin bildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse dem erhöhten Bedarf nicht mehr gewachsen sind. 

Von Diabetes Typ 2 sind in der Regel Erwachsene und alte Menschen betroffen. Leider wird die Krankheit in jüngster Zeit auch bei Jugendlichen beobachtet. [5]

Neben einer erblichen Veranlagung wird Diabetes Typ 2 durch Übergewicht, Mangel an Bewegung, Rauchen und durch eine ballaststoffarme, zu fette und zuckerreiche Kost begünstigt. Leider bemerken Betroffene oft jahrelang nicht, dass sie Diabetes haben oder ihr Lebensstil zu dieser Krankheit führen könnte. Zu ersten Symptomen können Abgeschlagenheit, erhöhte Infektanfälligkeit, vermehrtes Wasserlassen, großer Durst und eine trockene, juckende Haut gehören. [6]

Bei Diabetes Typ 1 kann der Körper gar kein Insulin bilden, weil die Bauchspeicheldrüse geschädigt ist. Diese Variante der Zuckerkrankheit kommt schon bei Kindern und Jugendlichen vor. Die Betroffenen müssen täglich mehrmals ihren Blutzuckerwert messen und sich Insulin spritzen. Bei Verdacht auf Diabetes Typ 1 spielt der orale Glukosetoleranztest kaum eine Rolle. [7]