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Der Langzeitzuckerwert

Der Langzeitblutzuckerwert (HbA1c-Wert) lässt Rückschlüsse auf den Blutzucker bei Diabetiker:innen zu. Eine gute Blutzuckereinstellung ist entscheidend, um Folgeerkrankungen des Diabetes zu verhindern. Informationen zur Messung des HbA1c und Referenzwerte findest du hier.
Hand mit Handschuh hält eine Blutprobe

Was ist der Langzeitzuckerwert?

Bei dem Langzeitblutzuckerwert handelt es sich um einen Blutwert, mit dem sich die Glukosekonzentration im Blut rückwirkend beurteilen lässt. Das Prinzip beruht auf der Bindung von Glukosemolekülen an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Glykohämoglobin (HbA1) entsteht vermehrt, wenn der Blutzucker über mehrere Wochen zu hoch ist. Bestimmt wird üblicherweise das HbA1c – eine Fraktion des Glykohämoglobins, bei der Glukose an eine bestimmte Untereinheit des Hämoglobins gebunden ist. Umgangssprachlich wird das HbA1c oder der Diabetes-Langzeitwert auch als „Blutzuckergedächtnis“ bezeichnet. [1]

Bei dauerhaft erhöhtem Blutzucker bleibt die Glukose mit dem Blutfarbstoff verbunden, bis die roten Blutkörperchen abgebaut werden. Die normale Lebenszeit der roten Blutkörperchen beträgt etwa 120 Tage bei Männern und im Schnitt 100–110 Tage bei Frauen. Somit ist der Diabetes-Langzeitwert repräsentativ für einen Zeitraum von ungefähr drei Monaten. [2, 4]

➚ Hier findest du Informationen über weitere Blutzuckerwerte.

Wie wird der HbA1c-Wert gemessen?

Die Messung des HbA1c erfolgt über eine Blutuntersuchung. Angegeben wird der HbA1c-Wert in Prozent oder in mmol/mol Hb, was die offizielle Einheit darstellt (siehe Tabelle Referenzwerte). [3, 4, 7]

Die HbA1c-Messung dient der Verlaufskontrolle eines bereits diagnostizierten Diabetes mellitus. Die Kontrolle erfolgt etwa vierteljährlich in der diabetologischen Praxis. Auch für die Erstdiagnose einer Diabeteserkrankung ist der HbA1c-Wert hilfreich. Zeigt sich bei deinem Gesundheits-Check-up beispielsweise ein zu hoher Nüchternblutzucker, lässt sich mit der Bestimmung des HbA1c-Wertes dein Blutzucker der vergangenen Wochen abschätzen und einen Diabetes-Verdacht bestätigen oder widerlegen. [3]

Welche Informationen liefert der Langzeitzuckerwert?

Der Langzeitzuckerwert lässt Rückschlüsse auf den durchschnittlichen Blutglukosewert der letzten zwei bis drei Monate zu. Anhand gegebener Referenzwerte können deine Ärzt:innen dir mitteilen, ob die Maßnahmen zur Blutzuckereinstellung erfolgreich sind. Bei zu hohen HbA1c-Werten ist eventuell eine Therapieanpassung nötig. Kommt der Langzeitzuckerwert zur Diagnosefindung zum Einsatz, verwenden Mediziner:innen die Grenzwerte, um zu entscheiden, ob eine Diabeteserkrankung vorliegt oder nicht. Bei Werten im Übergangsbereich finden weitere diagnostische Maßnahmen, wie der orale Glukosetoleranztest (OGTT), statt. [3, 4]

Der Diabetes-Langzeitwert sollte nie isoliert betrachtet werden. Die Ergebnisse des Tests sind in Zusammenhang mit dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patient:innen zu beurteilen. Bestimmte Faktoren wie Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Lebensalter beeinflussen die Messergebnisse. Anämien, Nierenfunktionsstörungen, hoher Alkoholkonsum oder die Anwendung von Penicillinen, Acetylsalicylsäure-Präparaten oder Psychopharmaka verfälschen den HbA1c-Wert. Patient:innen im Seniorenalter weisen generell einen höheren Langzeitzuckerwert auf als Patient:innen im mittleren Lebensalter. [1, 4]

Referenzwerte für Langzeitblutzucker

Deinen individuellen Zielwert für den Langzeitzucker legst du gemeinsam mit deinen behandelnden Ärzt:innen fest. Je nach Lebensumständen, Alter, Typ der Diabeteserkrankung und anderen Einflussfaktoren wie bestehenden Krankheiten oder Medikamenteneinnahmen können HbA1c-Werte im unteren, oberen oder mittleren Referenzbereich angestrebt werden. Die folgenden allgemeinen Grenzwerte für den Langzeitzucker dienen Mediziner:innen für eine Kategorisierung in Diabetiker:in, Patient:in mit Risiko für eine Diabeteserkrankung (Prädiabetiker:in) und Nichtdiabetiker:in: [3, 4]

Nichtdiabetiker:innenÜbergangsbereich/PrädiabetesDiabetiker:innen
unter 5,7 % (unter 39 mmol/mol Hb)5,7-6,4 % (39-47 mmol/mol Hb)ab 6,5 % (ab 48 mmol/mol Hb)

Blutzucker-Monitoring: Unterschied Blutzucker-Langzeitwert zu anderen Messwerten

Bei dem Blutzucker-Langzeitwert handelt es sich um einen Durchschnittswert. Mit der HbA1c-Messung erhältst du einen Überblick über die Blutglukosekonzentration der vergangenen Wochen. Schwankungen deines Blutzuckers im Tagesverlauf siehst du daran nicht. Wurde bei dir ein Diabetes Typ 1 oder Typ 2 festgestellt, ist ein regelmäßiges Blutzucker-Monitoring vor und/oder nach deinen Mahlzeiten angezeigt. 

Mit einem Glukosemessgerät bestimmst du bei Bedarf deinen aktuellen Blutzuckerspiegel. Dazu gibst du einen Tropfen Blut auf einen Teststreifen, der dann über das Messgerät ausgewertet wird. Bei Diabetiker:innen, die mit starken Blutzuckerschwankungen kämpfen, ist zudem die kontinuierliche Blutzuckermessung über einen Glukosesensor eine gängige Methode. Du erhältst exakte Blutzuckerverlaufsdaten über alle Stunden eines Tages. [5]

Erhöhter Langzeitzuckerwert – was tun?

Mit einer regelmäßigen Kontrolle des Langzeitzuckerwertes und einer guten Blutzuckereinstellung lassen sich Folgeschäden des Diabetes vorbeugen. Ein chronisch erhöhter Blutzucker steht in Verbindung mit einer Schädigung von Nerven und Blutgefäßen. Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenfunktionsstörungen, eine Zerstörung der Netzhaut oder das diabetische Fußsyndrom sind typische Komplikationen. Bei der Diabeteserkrankung sind ein Insulinmangel oder die Insulinresistenz ursächlich für den zu hohen Blutzuckerspiegel. Möchtest du deinen Blutzucker senken und suchst nach Therapieoptionen, die sich auch auf den Diabetes-Langzeitwert auswirken, kommen folgende Maßnahmen infrage: [6]

  • proteinreiche, kohlenhydratreduzierte, ausgewogene Ernährung
  • Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Haferflocken in den Speiseplan aufnehmen
  • ausreichend Bewegung, um Übergewicht zu vermeiden oder abzubauen
  • auf eine ausgewogene Vitamin- und Mikronährstoffversorgung achten
  • zuckerhaltige Getränke meiden